Spurensuche nach starken Frauen in Bickenbach

Veröffentlicht am 08.03.2026 in Ortsvereine

SPD Bickenbach erinnert zum Weltfrauentag an Frauen, die den Ort geprägt haben

Bei frühlingshaftem Wetter machte sich die SPD Bickenbach am 7. März, einen Tag vor dem Weltfrauentag mit rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf den Weg zu einem besonderen Spaziergang durch die Ortsgeschichte. Im Mittelpunkt standen Frauen, die Bickenbach auf ganz unterschiedliche Weise geprägt haben – durch ihre Arbeit, ihren Mut, ihr gesellschaftliches Engagement und ihre Persönlichkeit.

Auftakt des Rundgangs war am Bickenbacher Rathaus, wo die Vorsitzende Angelika Benz die Gäste begrüßte. Schon dabei machte sie deutlich, worum es an diesem Nachmittag ging: darum, Frauen sichtbar zu machen, die das Leben in Bickenbach mitgeprägt haben, deren Geschichten aber oft nur noch wenigen bekannt sind. 

„Wir wollten Frauen in den Mittelpunkt rücken, die Bickenbach geprägt haben und deren Wirken es verdient, nicht vergessen zu werden“, so Angelika Benz.

Schon der erste Halt führte eindrucksvoll vor Augen, dass sich hinter vertrauten Gebäuden oft verborgene Geschichten verbergen. Martina Riege-Barth erinnerte an die Zigarrenwicklerinnen, die einst in der früheren Jagdschloss-Kaserne arbeiteten, dem heutigen Rathaus. Sie zeichnete das Bild einer Zeit, in der dort nicht nur gearbeitet, sondern auch ein erster kleiner Betriebskindergarten entstanden war – ein Ort weiblicher Arbeitswelt mitten in Bickenbach.

Von dort ging es weiter in die OrtsmitteJutta Karde erzählte die Geschichte von Marga Fischer, die in den 1970er- und 1980er-Jahren die Drogerie Winkler führte. Viele ältere Bickenbacherinnen und Bickenbacher werden sich noch gut an dieses Geschäft erinnern: Es war weit mehr als nur eine Drogerie – es war ein Ort der Begegnung, ein beliebter Treffpunkt und ein Stück lebendige Ortsmitte.

Auf dem Sandbuckel richtete Laura Pfeifer den Blick auf Margarete Engelhardt, die von 1960 bis 1968 als erste und damals einzige Frau der Gemeindevertretung in Bickenbach angehörte. Ihr Wirken steht für einen frühen und mutigen Schritt weiblicher politischer Teilhabe in einer Zeit, in der Frauen in der Kommunalpolitik noch absolute Ausnahmen waren.

Besonders bewegend wurde es in der Schulstraße. Dort berichtete Emma-Sophie Stanzel über das Schicksal von Settchen Wolf, die dort mit ihrer Familie lebte und 1942 von den Nationalsozialisten in Minsk ermordet wurde. Dieser Teil des Spaziergangs machte deutlich, dass Ortsgeschichte nicht nur von Aufbau und Fortschritt erzählt, sondern auch von Verfolgung, Entrechtung und unermesslichem Leid. Die Erinnerung an Settchen Wolf gab dem Rundgang einen stillen, nachdenklichen Moment.

An der Ecke August-Bebel-Straße/Bachgasse wurde anschließend wieder ein anderer Abschnitt Bickenbacher Alltagsgeschichte lebendig. Gisela Spreng berichtete von den Anfängen ihres Spielwarengeschäfts, das auf gerade einmal 20 Quadratmetern in dem noch heute bestehenden Gebäude an der Straßenecke begann. Bereits wenige Jahre nach der Gründung zog das Geschäft in größere Räume um. Bis heute besteht es fort und wird inzwischen von ihrer Tochter weitergeführt. So wurde hier nicht nur die Geschichte einer Geschäftsidee erzählt, sondern auch die einer über Generationen weiterlebenden Bickenbacher Unternehmerinnenfamilie.

Direkt im Anschluss erzählte Renate Schmöker die Geschichte von Hedwig Rebenich, die in der heutigen Kastanie ihr Lebensmittelgeschäft gründete und dieses später über Jahrzehnte in der Bahnhofstraße fortführte. So wurde ein Stück Einkaufsgeschichte Bickenbachs wieder lebendig – verbunden mit Erinnerungen an eine Zeit, in der Geschäfte noch eng mit den Menschen und ihrem Alltag verwoben waren. Mit einem Mundart-Gedicht über das „Mini-Super-Kaufhaus“ verlieh Schmöker diesem Abschnitt des Rundgangs schließlich noch einen ganz besonderen, heiteren und zugleich liebevollen Ausklang.

In der Waldstraße ging es schließlich um das beeindruckende Leben von Dr. Liselotte Schmidt. Sie wurde von Daniela Hennemann vorgestellt, da Mehtap Pektas, die Dr. Schmidt die letzten vier Jahre ihres Lebens begleitet hat, an diesem Nachmittag leider verhindert war. Die Ärztin leitete unter anderem das Klinikum in Eberstadt und zeigte auch im hohen Alter noch außergewöhnliche Tatkraft: In der Waldstraße kaufte und renovierte sie noch ein Haus. Mit 106 Jahren war sie die bislang älteste Bickenbacherin – eine bemerkenswerte Frau, die für Bildung, Schaffenskraft und Lebensmut stand.

Den Abschluss des Spaziergangs gestaltete Karin Geiger mit der Geschichte der engagierten Sozialdemokratin Elli Jakobi. Damit schlug der Rundgang noch einmal den Bogen zur politischen und gesellschaftlichen Mitgestaltung durch Frauen in Bickenbach.

Seinen Ausklang fand der Spaziergang im Bürgerhaus, wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Kaffee und Kuchen noch lange zusammensaßen, miteinander ins Gespräch kamen und die vielen Eindrücke nachwirken ließen. Gerade diese Gespräche zeigten, wie reich die Bickenbacher Geschichte an weiteren bemerkenswerten Frauen ist. Immer wieder wurden während des Rundgangs und beim anschließenden Beisammensein neue Namen und Erinnerungen eingebracht.

So verband sich der Rückblick auf bekannte und weniger bekannte Lebensgeschichten mit dem Wunsch, diese Spurensuche fortzusetzen. 

Renate Schmöker blickte deshalb bereits nach vorn: „Bei den Gesprächen sind schon wieder so viele weitere interessante Bickenbacher Frauen genannt worden, dass wir im nächsten Jahr eigentlich direkt weitermachen könnten.“

Auch Angelika Benz zeigte sich erfreut über die große Resonanz: „Die vielen positiven Rückmeldungen und die zusätzlichen Hinweise aus dem Teilnehmerkreis zeigen, dass in Bickenbach noch viele Frauengeschichten darauf warten, erzählt zu werden. Deshalb können wir uns eine Fortsetzung im kommenden Jahr sehr gut vorstellen.“

So wurde der Weltfrauentag in Bickenbach nicht nur zu einem historischen Spaziergang, sondern zu einer lebendigen Erinnerung daran, wie viele Frauen das Gesicht des Ortes geprägt haben – oft leise, manchmal mutig gegen Widerstände, aber immer mit bleibender Wirkung.

 

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